Rushooka
 
Was wir sind und was Wir tun.
Uganda liegt auf dem Äquator und hat keinen direkten Zugang zum Meer. Wegen seiner Schönheit nannten es die Engländer die “Perle Afrikas”. Die Regierung ist ziemlich stabil, wenn man über die verbreitete Korruption hinwegsieht, die gewissermaßen zum täglichen Leben gehört. Über 20 Jahre gibt es einen demokratisch gewählten Präsidenten. Eines der größten Probleme, das die tägliche Idylle überschattet, ist der Bürgerkrieg im Norden des Landes, der sich schon über zwanzig Jahre hinzieht. Kony-Rebellen, die sich in den Wäldern des Nordens verstecken, haben große Zerstörungen angerichtet und viele Menschen getötet. Tausende von Menschen mussten ihre Häuser verlassen und haben in Lagern Asyl gefunden, in denen oft unterschiedliche Ausprägungen von Gewalt, Hunger, Leid und Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten weiter bestehen. Glücklicherweise beeinflusst das nicht unsere Region im Süden des Landes. Aber trotz dieser relativen Ruhe sind wir uns bewusst, dass die Rebellen eines Tages auch vor unserem Haus mit Maschinengewehren
auftauchen könnten.


Wirtschaftlich gehört Uganda zur Ostafrikanischen Gemeinschaft, die noch im Aufbau ist, mit afrikanischem Tempo, ohne Eile, und nur bescheidenen Ergebnissen. Dies spüren besonders die Ärmsten.


Der Kabale-Distrikt liegt im äußersten Südwesten Ugandas. Die Gegend ist gekennzeichnet von Bergen und Hügeln. Sie prägen die Landschaft und das Leben der Menschen. Es gibt zwei Hauptethnien Banyankore und Bakiga. Sie bearbeiten die Abhänge der Hügel mit primitiven Geräten, indem sie stufenförmige Terrassen anlegen, auf denen hauptsächlich Kartoffeln, Mais, Cassava, Kaffee, Hirse und verschiedene Gemüsesorten angebaut werden. Die Bewohner der flachen Täler sind glücklicher, da sie Bananenplantagen anlegen können. Für die Banyankore sind Kochbananen - Matoke genannt - das typische Essen. Ihr Sprichwort lautet: „Keine Matoke – kein Leben!“ In einigen Gebieten der Pfarrei betreiben die Bahimas auch Viehzucht.


Hauptprobleme im Kabale-Distrikt sind Überbevölkerung, schwierige Feldarbeit wegen der hügeligen Lage, HIV/Aids, kostspieliger Transport, den sich durchschnittliche Dorfbewohner nicht leisten können, Arbeitslosigkeit, hohe Ausbildungskosten wegen der Schulgelder.


             Was tun wir?


Wir Franziskaner arbeiten in einem kleinen Dorf, Rushooka genannt, 40 km von Kabale und 120 km von Mbarara entfernt, wo sich die Diözesanverwaltung befindet. Wir arbeiten
hier seit zwölf Jahren. Die Pfarrei wurde vor über 40 Jahren von Weißen Vätern gegründet und war lange verwaist. Unsere Arbeit konzentriert sich auf:


1.Pastoralarbeit

2.Ausbildung

3.Entwicklungsprojekte






1.Pastoralarbeit


Unsere Pfarrei ist die am entferntesten gelegene Gemeinde von Mbarara, unmittelbar an der Grenze zur Kabale-Diözese. Wir betreuen sechs Zentren und 21 Hikas. Hika ist ein kleines Dorf, oft versteckt in den Hügeln, mit einer Kapelle, in der sich die Gläubigen treffen zu Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen. Die Hikas gehören zu Zentren, die größer sind und über bessere Zufahrtsstraßen erreicht werden können. In jedem Zentrum feiern wir einmal im Monat die hl. Messe, und zweimal pro Jahr
besuchen wir auch die Hikas.


Eine der großen Herausforderungen sind die Entfernungen: Von Rushooka nach Kashenye (eines unserer Zentren) sind es 40 km, von Rushooka nach Kasana (ein anderes Zentrum), in die entgegengesetzte Richtung, 37 km. Die Gemeinde zählt etwa 12 000 Christen. Die tägliche Pastoralarbeit vor Ort wird von Katecheten geleistet, die leider wegen fehlender Gelder nicht immer gut ausgebildet sind. Oft mangelt es auch an geeigneten Kandidaten. Wegen Geldmangels kann ihre Arbeit nicht vergütet werden. In einigen Hikas erleben wir, dass Christen wegen ihres schwachen Glaubens zu anderen Denominationen übertreten.



2. Ausbildung


Von Anfang an war für uns Franziskaner in Rushooka die Ausbildung ein Schwerpunkt. In allen Zentren und in vielen Hikas wurden Primay Schools (Grund- und Hauptschulen) in der Nähe der Kirchen gebaut. In Rushooka selbst wurde eine große Primary School (Klasse 1 bis 8) für 1 200 Kinder und eine Secondary School (Gymnasium) für 600 Schüler gebaut. Natürlich gibt es in beiden Schulen noch eine Menge zu
verbessern: In der Primary School sind es die Wassertanks und in der Secondary School die neue Bücherei, die ständig verbessert werden müssen. Langsam sehen wir Fortschritte in der Lebensqualität unseres Dorfes aufgrund verbesserter Ausbildungsmöglichkeiten für Jung und Alt.


Vor acht Jahren kamen Schwestern der Kongregation der Töchter der Göttlichen Liebe nach Rushooka. Sie begannen mit einem Ambulatorium (kleine Krankenstation), in dem sie verschiedene Programme anbieten: Gesundheitserziehung, Fragen der Entwicklung, Aufklärung über HIV, Rechte der Frauen, Beratung von Patienten und Hausbesuche. Ferner wurde ein Zentrum für junge Frauen gebaut, in dem jährlich 20 Mädchen Grundlegendes zur Haushaltsführung (Kochen, Nähen, Nadel- und Handarbeit) erlernen können. Ferner werden Grundkurse in Englisch und Gesundheitspflege wie auch Religionsunterricht angeboten.



3.Enwicklungsprojekte


Wir versuchen, die Pfarrei auch durch materielle Hilfe weiterzubringen. Das ist wohl die schwierigste Aufgabe. Viele Projekte wurden begonnen, die leider dann zusammenbrachen, wenn Verantwortung und Verwaltung Leuten vor Ort übertragen wurden. Hauptgründe des Scheiterns sind Mangel an Ausbildung und fehlende Erfahrung mit
Arbeitsplanung, Organisation und Geldverwaltung. Unseren Leuten fehlt noch das Verständnis für das Gemeinwohl. Sie verstehen nicht, dass durch kleine Mitgliedsbeiträge größere Anschaffungen getätigt werden könnten, die für alle nützlich sind, wie z.B. Anschluss an Wasser oder Elektrizität. Sicherlich bedarf es weiterer Anstrengungen, damit die Menschen die Wichtigkeit der Beteiligung an sozialen Einrichtungen verstehen, die der ganzen Gemeinschaft zugutekommen.



Probleme


Eines der Hauptprobleme ist der Alkoholismus. Nach unserer Meinung sind mehr als 50% der Männer alkoholabhängig: Sie trinken täglich Tonto, ein örtlich hergestelltes Bananenbier, und Waragi, einen selbst gebrauten Wodka. Hauptursachen dafür sind Arbeitslosigkeit und die traditionelle Auffassung, dass Feldarbeit Sache der Frauen sei. Viele Männer trinken von morgens bis abends Tonto. Wir stellen fest, dass auch viele Frauen ans Trinken kommen.


Alkohol vermehrt zudem die Probleme häuslicher Gewalt. Täglich erleben viele Familien Gewalt gegen Frauen und Kinder. Betrunkene Männer schlagen ihre Frauen und Kinder: Sie verlangen das Essen auf den Tisch, saubere Kleidung und Wasser im Haus, das oft von entfernten Wasserstellen auf dem Kopf herangeschleppt werden muss. Vielfach sind die Familien groß: sieben bis zehn oder elf Kinder! Wir erfahren, wenn wir den Frauen zuhören, dass Alkohol auch Ursache ist für sexuellen Missbrauch gegen Frauen und Kinder. Mangelnde Ausbildung und äußerste Armut sind Ursache vieler unerwünschter Schwangerschaften, selbst im Alter von 14 Jahren. Ein anderes großes, täglich zunehmendes, Problem ist die hohe Zahl von HIV-Infizierten und Aids-Kranken mit allen Konsequenzen.